Vorwortentwurf_090905

— ACHTUNG: Dieser Text ist noch in Bearbeitung! —

VORwort

Warum zu zweit?

Wir haben im Studium eine gemeinsame Basis gefunden über gegenwärtige Architektur und Umweltphänomene zu diskutieren und gemeinsam zu reflektieren. Ausgangspunkt war für uns beide ein lehrreiches „Full-skale“ Projekt 2006 in Südafrika wo wir für ein Township (soweto) einen Kindergarten mit anderen Studenten der TU-Graz planen und in 7 Wochen vor Ort erbauen durften. Dabei beschäftigt uns bis heute die Diskussion in wie weit darf und kann man mit unseren westlichen Kenntnissen an fremden Orten bzw. in anderen Kulturen planen und bauen. Eine Erkenntnis aus diesem Projekt ist der nötige frühe und begleitende Kontakt zu den Menschen vor Ort, ihre Bedürfnisse und ihr soziales Umfeld vor Ort zu erforschen und dann mit ihnen (am besten von Ihnen mit vorhandenen Ressourcen) am Ende ein Gebäude zu errichten. Denn es hat sich gezeigt wenn die Einwohner sich nicht hauptsächlich am Bau Ihres Gebäudes beteiligt sind * können sie zu ihrem Haus keine Beziehung aufbauen und auch keine Schäden und Mängel beseitigen somit verfällt das Objekt über die Zeit… *fällt es ihnen viel schwerer einen Bezug zu ihrem Haus aufzubauen und es zu pflegen und zu erhalten. Das Objekt verfällt dadurch im Lauf der Zeit. Kein strategischer Masterplan – entwickelt am Reisbrett – also sondern ein taktisches Entstehen von Innen heraus wäre hier ein anzustrebendes nachhaltiges Ziel.

Im August 2008 organisierte Christoph in Linz eine Bootstour auf der Donau mit der von seinem Vater wieder in Schuss gebrachten alten Feuerwehrzille. Bernhard und einige andere Freunde waren der Einladung gefolgt vom Wasser aus Linz (neu) zu entdecken, denn einige von ihnen waren vorher noch nie in Linz gewesen. Diese Raumerfahrung kristallisierte sich spontan zu einem Rural-Workshop mit eintägiger Vernissage „Schwemmland“ in einer zu diesem Zeitpunkt leer stehenden Werkshalle mitten im Linzer Hafenviertel. >Schwemmland<

– EVTL. den ganzen Absatz weglassen? –

Auf der Suche nach unserem Diplomthema waren wir im Herbst 2008 am Ende unseres Studiums angelangt. Wie sollte da in unseren Augen ein geeignetes Diplomthema aussehen? Es war für uns bald klar, dass eine konkrete Bauaufgabe wie auch ein vorgegebener Wettbewerb von jemand Aussen stehenden in eine definierte Aufgabe zwingt und somit unseren Möglichkeitshorizont zu sehr einengen würde. Wir hatten viel mehr das Bedürfnis im freien Feld zu recherchieren und unseren persönlichen Zugang zu finden. Einige Ideen wie den Bau einer Moschee für Klagenfurt und somit eine Auseinadersetzung mit dem umstrittenen Klagenfurter Ortsbildsgesetz war dabei in die engere Auswahl gekommen. Wir beschäftigen uns eine Zeit lang mit diesem Gedanken, lasen uns ein wenig in die islamische Religion ein und versuchten Kontakt zu Vertretern Islamischer Kultur in Österreich aufzubauen, da das nicht gelang und uns ein Resultat einer eingengefälliger, einfältig gestalteten Hülle nicht zielführend erschien nahmen wir von diesem Gedanken bald Abstand. „we are on the end of line“ Peter Eisenman, Vortrag: “on the problem of late style” HDA/XAL Graz, 24.09.2008.

– EVTL. den ganzen Absatz weglassen? –

Im Buch “Kollaps” beschäftigt sich Jared Diamond mit dem Untergang von Hochkulturen.  Im Kapitel Osterinsel beschreibt er wie die Menschen dort damals eine ihrer wesentlichsten Ressourcen (Bäume) abgeholzt haben und für welchen aus heutiger ökonomischer Sicht nur schwer einsichtigen Grund (Götterverehrung) wodurch sie gleichzeitig die Existenzgrundlage der ganzen Insel zerstört hatten, denn die gefällten Bäume hatten dramatische Auswirkungen auf das Klima und Bodenbeschaffenheit der Insel…

(Ab hier problematisch, weil etwas einseitig…*) man fragt sich welche Auswirkungen für uns heute unerlässlich erscheinende Handlungen aber auch Maßnahmen wie “Verschrottungsprämie” “Finanzpakete” “Klimawandel” auf unsere Kultur, bzw. Umwelt haben werden; klar ist dass dabei intensiv Ressourcen abgebaut, verbraucht, verheizt werden und dass damit unnötig Energie verpufft… (*…bis hier.)

Verschrottungsprämie: befinden wir uns nicht jetzt schon mitten im Strohfeuer des fortschreitenden Kapitalismus? Vergisst man, dass zur Produktion von Autos Unmengen an grauer Energie benötigt werden um es herzustellen, bzw. müssen dafür immer wieder neue Ressourcen verwendet werden – ist es nicht vielleicht besser die alten Autos so lange zu warten und zu pflegen wie möglich? Könnte man nicht auch so Arbeitsplätze in Autowerkstätten sichern?

Finanzpakete: wohin wird unser Geld fließen, und wer wird davon was haben?

Klimawandel: ist der Trend zum Passivhaus im Grünen die richtige Politik? Sind 45cm Steinwolle (Wärmedämmung) und 3-fach Isolierverglasung der richtige Weg um unser Klima zu retten? Reagieren wir zu panisch und unkontrolliert auf Probleme unserer Gesellschaft – und ist das alles ethnisch vertretbar?

crisis? what crisi? hieß es schon in den 70ies bei Supertramp, man arbeitete dann einfach mehr und schneller und konnte sich dann auch wieder gemütlich zuhause in den eigenen Garten zurückziehen und alles mit “Soma” vergessen, oder einfach in die Glotze schauen und es war alles gut. Aber wird uns jetzt Captain Future aus unserem Choma entreissen können -wohl kaum oder liegt es an uns selbst an einer Veränderung zu arbeiten – yes -we – can! Ist  DOWN-SHAFTING (Konsumverweigerung) eine nötige radikale Hungerkur für das zukünftige Wohlergehen unserer Umwelt? Und wenn ja, wie weit können wir uns verweigern?

Warum Linz?

Linz stand in den letzten Vorbereitungen für das kommende Kulturhauptstadtjahr 2009. Die Stadt wird und wurde wie selten zuvor von Außen beäugt, hinterfragt und nach ihrem aktuellen Befinden auch kritisch beurteilt. Linz09 beauftragte, im Kritikerprojekt „Linz Status Quo“ drei international renommierte ArchitekturkritikerInnen (Shumon Basar, Angelika Schnell, Roemer van Toorn) mit dem Ziel ein, den qualitativen Status Quo der Architektur und des Städtebaus der Stadt Linz und deren Peripherie durch eine unabhängige Sicht von
Außen einzuschätzen. Hat Linz ein Problem? Geringe Arbeitslosigkeit und realisierte Luftverbesserungsmaßnahmen stellen nun Linz in ein erfolgreiches und sauberes Bild, Bürgermeister F. Dobusch wirbt mit „…welcher nun über 20 Jahr im Amt ist und weiß was für seine Stadt gut ist.“ Durch intensive Auseinandersetzung der Stadt mit sich selbst kamen und kommen jetzt in Linz Dinge ans Tageslicht welche sonst der Öffentlichkeit schwer zugänglich waren oder unter der Oberfläche verborgen lagen. Die Stadt arbeitete ihre dunkle Geschichte auf, mit zahlreichen Veröffentlichungen. Zu Beginn des Kulturhaupstadtjahres thematisierte die Ausstellung  „Kulturhauptstadt des Führers“  Hitlers Visionen für Linz im Schlossmuseum. Als Studenten der Kunstuniversität ein Geschenk Hitlers „Aphrodite“ an Linz wieder in der Stadt entdeckten war dies für den Bürgermeister eine Zumutung und ließ diese prompt ohne die Meinung der Öffentlichkeit auch nur zu fragen in Museumskellern verschwinden…ist dies ein richtiger Umgang für eine Kulturhauptstadt..?

Ein neuer Blick auf Linz war auch für uns reizvoll, mit den Eindrücken aus >Schwemmland< und den aktuellen Entwicklungen in der Stadt möchte man sich hier noch mal genauer mit der eigenen Heimat auseinandersetzen. Bernhard als Außenstehender „Fremder“ und Christoph als wieder entdeckender „Eingeborener“ wollten das Linzer Hafenviertel in einer unkonventionellen  >Feldstudie< genauer ins Visier nehmen und im weiten heterogenen und komplexen Stadtteil forschen… Ohne genau zu wissen was am Ende herauskommen würde sich unvoreingenommen auf das Gebiet einlassen. Immer wieder einzutauchen von außen (Graz-Linz) nach innen und von innen nach außen. Etwa in 2 Wochenabständen. (Derive-Gedanke) Umherschweifen, sich treiben lassen.. Mit Wanderungen durch das Gebiet… Gespräche mit AkteuerInnen im Feld. Diskurs und Reflexion über das Erlebte und Erfahrene im Linzer Cafe`Meier (Notizen und Skizzen) oder auf der Rückfahrt nach Graz..

Daraus verschärfte sich die Thematik des „Zwischenraumes“. Es wird versucht den bis jetzt weißen Flecken im Stadtgefüge einen Wert zukommen zu lassen, denn diese Zwischenräume bergen einen hohe Vielfalt an Individuen, Spezies, Phänomene, Erzählungen welche gesammelt in unserem >Nischenkatalog< zum Ausdruck kommen sollen.. Wir sehen darüber hinaus in den Nischen Möglichkeitsräume für die Zukunft. Das Zwischenspiel von Natur und Industrie scheint für uns ein besonderer Faktor für die weitere kulturelle Entwicklung  für das Stadtviertel zu sein

Warum Nischen?

Alles in Sukzession, Bild von Oben; 100%Landschaftsveränderung in einer Generation,

Mikorerzählungen aus der Nische, Probleme bzw. Anküpfbare Erzählungen, Tor in die Zukunft.

Nischenkatalog als Basis für weitere Planungen im Gebiet. Gewisses Bedrohungsbild sollte angerissen werden, (Zinganel-Luftbilder)denke das ist der Grund warum wir das tun. Das Gefühl es ist etwas am Aussterben am Wegbrechen… Siehe: Zizlauhäuser, Bauernhöfe, Camper, Hafenverlandung… Verlust des öffentlichen Freiraums in der Stadt…

Verschwinden des Zwischenraumes… Problemstellung … eine Spezies ist bedroht!

Fokus?

Ein Fischlokal.

Von Innen heraus gedacht, geplant, gebaut.

Gebäude aus Recyclematerial

Regionaler Bezug; Donaufisch

Gemeinschaftsaspekt; wifi-skulpuren, biomeiler..

Überleben; Beleben

Sicherung des Fortbestandes

Darwin; Symbionsen, Morphologie….

————————————————————————————————

„Vorwort an den geneigten Leser“

oder

„Manifest“

oder

„Was wollen wir erreichen?“


Wir arbeiten bewusst am Schnittpunkt verschiedener Fach- und Interessensgebiete. Wir können gar nicht anders! Es kristallisiert sich immer stärker heraus, dass einer der zentralen Begriffe (wenn nicht überhaupt der zentrale Begriff) in dieser Arbeit der Begriff der Vielfältigkeit ist. Vielfältigkeit als Inbegriff des Lebens bzw. der Lebendigkeit.

Die Arbeit hat sich eine möglichst umfassende Betrachtung der Nischen und Zwischenräume, der „weißen“ Flecken auf der allgemein gültigen Landkarte innerhalb eines Gebietes (Hafenviertel Linz) zur Aufgabe gemacht. Wir suchen aber nicht die Auseinandersetzung mit einem speziellen Problem, einer speziellen Thematik in diesem Gebiet im Sinn von Experten, die wir in den meisten Themenbereichen gar nicht sein können, sondern es Interessiert uns vielmehr die Schnittmenge aller sich hier ergebenden Thematiken… Vielleicht werden wir schlussendlich zu Experten der Schnittmengen?

Der Architekt als Generalist ist in Zeiten der zunehmenden Fach-Spezialisierung vielleicht die Instanz, die den Überblick wahren muss, die evtl. ein Auseinanderbrechen der einzelnen Fachrichtungen und Interessen verhindern kann oder aber – um es positiv zu sehen – deren Aufgabe in Zukunft verstärkt die Moderation zwischen all den Themen und Interessen sein könnte. Gestaltung von Systemen als neue Aufgabe? Neufassung eines Berufsbildes, das sich wie alle Berufe den Aufgaben einer sich ändernden Zeit entsprechen muß. Und es geht hier NICHT um Anpassung an sogenannte Erfordernisse.

Wir treffen hier – so scheint es derzeit – auf zwei Themenkomplexe:

Der eine kann vielleicht mit der Bau- und Naturlandschaft und all ihren Themen beschrieben werden – also das auf den ersten Blick vielleicht architekturnähere Thema. Der andere könnte mit gesellschaftlicher bzw. sozialer-politischer Landschaft umrissen werden. Hier hinein fallen für uns all die Fragestellungen, die sich mit dem Menschen, seinen Bedürftnissen, seiner Herkunft, seinem Verhalten in der Umgebung und seinen Einflüssen auf die Umgebung beschäftigen…

Beide Themenkomplexe sind für uns wesentlich. Nicht nur weil sie uns beide interessieren, sondern weil beide in ihren realen Auswirkungen und Einflüssen zusammenspielen und – so scheint uns – ohne den Anderen nicht wirksam sein können. Sie stellen erst gemeinsam ein Ganzes dar.

Und um das Ganze geht es…

Zum Umgang mit diesen beiden Themenkomplexen kommt nun ein zweites Betätigungsfeld hinzu: Die konkrete Planung UND Durchführung eines realen Eingriffes in dem von uns betrachteten Gebiet. Ein Eingriff, der in der Art und Weise seiner Ausführung zurückgreift auf all die Erkenntnisse aus der Bearbeitung der oben genannten Themen und dessen Durchführung wiederum Prüfung dieser Erkenntnisse ist und Ihre Richtigkeit und Relevanz entweder unterstreichen oder aber verneinen wird. Das Scheitern in manchen Punkten wird dabei immer Teil des Möglichen – eigentlich überhaupt Teil der Arbeit – sein, denn einerseits ist es eine der möglichen Antworten auf unsere Fragen oder Hypothesen, andererseits ist reale Durchführung immer mit Trial und Error verbunden….(??? Formulierung noch unglücklich???)


NOTIZEN ZUM VORWORT (noch zu behandeln):

Welche Themen werden behandelt?

–          Material (Ressource, Wertschätzung, Umgang)

–          Geschichte (Herkunft, Identität, Gegenwart, Zukunft)

–          Vielfalt (Leben)

–          Nische (Lebensräume)

–          Zusammenarbeit / Selbstmachen (Kooperation / Eigenverantwortlichkeit)

–          Zeit (Umgang, Verwendung)

–          Geld (Umgang, Verwendung)

Worum geht es uns dabei?

–          Versuch ein Thema gesamtheitlich zu betrachten. D.h. von möglichst verschiedenen Blickwinkeln bzw. aus Sicht verschiedenster damit in Verbindung stehender Thematiken.

(Siehe) Träume, Visionen, Verantwortung: EINBAUEN!!!!

–          Arbeit aus dem Kontext heraus betreiben. Arbeit aus der Nische heraus. Das geht nur wenn man sich selbst in den Prozess einlässt.

Was also IST die Arbeit?

–          Beobachtung / Betrachtung des Dazwischenliegenden / Nicht-im-Vordergrund-Stehenden eines Gebietes.

–          EINE (evtl. auch mehrere) Antwort(en). In sich kohärent (Anspruch) aber nicht die einzige Antwort.

Versuch EINE Methode nachhaltigen Bauens zu formulieren, auszuprobieren und neu im Sinne eines Nachhaltigkeits- und Gesamtheitlichkeitsanspruches zu fassen.

Was ist die Arbeit deshalb NICHT?

–          Bestandsaufnahme mit Anspruch auf Vollständigkeit

–          Gestaltungsarbeit über das Großgebiet

–          Masterplan

–          Die Antwort

WEITERE Stichworte:

–          Keine weiteren versiegelten Flächen

–          Natur-Industrie als besondere Qualität

–          Überleben im Zwischenraum

–          WIR PLANEN UND BAUEN und das aus dem Ort, aus der Situation heraus…!!!

–          Wir müssen versuchen den Ort / den Aktuer nicht nur zu begreifen um das richtige für ihn zu tun, wir müssen versuchen selbst Teil des Ortes / der Akteure zu sein.

–          Zur Planung und Ausführung: Das Verwenden schon vorhandener / vorgefundener Ressourcen erfordert einen anderen Zugang und Umgang in Planung und Ausführung. Es muß intensiver und näher an der Situation sein. Der Planer kann sich nicht einfach aus dem Prozess heraus nehmen und ihn nur von außen begleiten. Er muß Teil des eigentlichen Arbeitsvorgangs sein.

Advertisements

0 Responses to “Vorwortentwurf_090905”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




KALENDER

September 2009
M D M D F S S
« Aug   Okt »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  
---
Advertisements

%d Bloggern gefällt das: